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Annemarie Schönherr 14. August 1932 - 21. März 2013

10.04.2013

„… wenn nur die Kirchentagsleute füreinander, für neue Fragestellungen, für neue Wege .. und für die alte Botschaft offen bleiben“. Annemarie Schönherrs Schlusssatz eines langen Beitrages in einem Jubiläumsband des Kirchentages klingt heute, wenige Tage nach Ihrem Tod, wie ein Vermächtnis.

 

Annemarie Schönherr war eine der Pfarrerinnen, die noch unter den Bedingungen des „Zölibats“ Theologie studiert hatten. Mit der Heirat 1963 musste sie ihre Tätigkeit aufgeben. Aber sie hat diesen Verlust beruflicher Aktivität kreativ, aktiv und bis ins hohe Alter ersetzt durch ehrenamtliches Engagement. So kam sie 1969 in das Präsidium des Kirchentages in der DDR. 1969 war für DDR-Kirchen mit der Gründung des Bundes evangelischer Kirchen ein bedeutsames Jahr.

 

Christinnen und Christen hatten ihren Auftrag in der atheistischen Gesellschaft verstanden. Mit Zähigkeit und Energie wehrten sie sich gegen die Verdrängung des Christlichen aus der Öffentlichkeit. Kirchentage waren bis 1989 ein Streitfall zwischen Staat und Kirche. Dennoch fanden sie statt und das war der Beharrlichkeit und dem großen Engagement von Menschen wie Annemarie Schönherr zu verdanken. Die regionalen Kirchentage brachten einen großen Gewinn an Gemeinschaft, an Vertrauen und Ermutigung untereinander. In diese Arbeit passte Annemarie Schönherr mit ihrer offenen, klaren Art. An vielen Entscheidungen hat sie als Präsidiumsmitglied mitgewirkt. Sie unterhielt enge Kontakte in das Zentrale Büro des Kirchentages in Fulda.

 

In der Umbruchszeit 1990, in der viele nicht mehr sicher waren, ob sie in den großen gesamtdeutschen Kirchentagen noch ihre Heimat finden würden, übernahm sie den Vorsitz. Sie war eben offen für andere, offen für neue Wege und sie hatte wesentlichen Anteil daran, dass diese neuen Wege eingeschlagen wurden. Sie hat mutig Herausforderungen angenommen, war Mitglied im Vorstand des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Ihre Aktivitäten in der Frauenarbeit, ihre Verwurzelung in der Berlin-Brandenburgischen Kirche, ihr weiter Blick für die gesamte Kirche – von all dem profitierte der Kirchentag.

 

Wir Landesausschüsse im östlichen Deutschland sind aktiv und lebendig. Sie war eine Mutmacherin und Vorangeherin. Der Kirchentag  ist dankbar für ihre Zeit im Präsidium des Kirchentages vor der Friedlichen Revolution und danach. Völlig unerwartet ist sie am 21.3. 2013 gestorben. Am 6. April wurde sie Potsdam beigesetzt.

 

Heiner Holland, Enrico Triebel