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Erfahrungsberichte

Kirchentage gehen nicht einfach „vorbei“. Sie wirken nach.

Sie leben in Erfahrungen weiter. Hier sind Versuche, darüber zu berichten.

Wer schließt sich an?

– Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen: redaktion @ kirchentag-bbo.de.

 

Soviel du brauchst...

 

 

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Soviel Du brauchst...

 

…so lautete der Titel des diesjährigen Kirchentages in der Hansestadt Hamburg. Mit neuen Eindrücken und interessanten Begegnungen kam auch ich wieder nach Berlin zurück. Können Sie sich zum Beispiel in einer evangelischen Kirche einen Gottesdienst mit Weihrauch vorstellen? Sicher nicht. So ging es mir vor den Tagen in Hamburg auch.

 

Ich war mit meinem langjährigen Hallenleiter-Partner und 24 Helfern der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Marburg und der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) aus Rheinbach in der evangelisch-lutherischen Hauptkirche St. Trinitatis in Hamburg-Altona im Einsatz.

 

Die barocke Kirche stammt aus dem Jahr 1742 und wurde 1969 nach einem direkten Bombentreffer 1943 wieder nach altem Aussehen aufgebaut. Im Kircheninneren wurde die Kirche modern und schlicht, fast kahl gehalten, überzeugt aber dadurch mit ihrer Schönheit. Das Kruzifix mit dem „lächelnden Christus von Altona“ stammt aus dem Mittelalter und ist in seiner Form einzigartig im europäischen Raum.

 

Im Programm standen für diesen Veranstaltungsort „nur“ Gottesdienste. Aber was heißt „nur“? Los ging es mit dem „Herrenmahl nach altkatholischer Ordnung", bei dem dann auch das erste Mal Weihrauch im Einsatz war. Weiter ging es dann mit einem Gottesdienst in Swahili und deutscher Sprache, sowie einem koreanischen Gottesdienst.

 

Neben all den Gottesdiensten und Tagzeitgebeten blieb uns Zeit, den Besuchern die Kirche nahe zu bringen und einiges zu erklären. Viele Anwohner aus der Gegend kamen zu Besuch, um endlich mal ihre Kirche anzuschauen. „Man fährt so häufig daran vorbei, und jetzt will ich mir mal die Kirche anschauen“ war ein häufiger Satz von Besuchern. Viele, die hinein kamen meinten „Wow – was für eine schöne Kirche“. Stimmt! Ich kann es nur bestätigen.

 

Ganz nebenbei haben wir nach dem Feierabendmahl beim Gemeindeabend der Kirchmeisterin eine kleine Freude bereiten können. Wie bei den Heinzelmännchen wurde das Essen ausgegeben und vor allem alles Geschirr geräuschlos abgeräumt und gereinigt. Ehe sie sich versah, war alles erledigt und sie konnte sich ohne schlechtes Gewissen „ihren“ Gästen widmen.

Drei Tage Kirchentag plus Abend der Begegnung und Schlussgottesdienst sind eine lange Zeit, aber auch viel zu schnell vorbei. Aber nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag. Vielleicht sehen wir uns ja in Stuttgart vom 03.06. bis zum 07.06.2015 oder etwas später, 2017, in Berlin und Wittenberg. Aktuelle Informationen finden Sie natürlich auch hier auf dieser Internetseite vom Landesausschuss Berlin/Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

(Norbert Kopf)

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Hurtig südwarts

Per Drahtesel allein nach München

 

Wie Ottfried Gabriel (74) von Berlin zum Ökumenischen Kirchentag radelte

 

(wf) Er hätte sich auch dem Pilgerprojekt Ökumene rollt anschließen können, wollte er aber nicht. Der Tross mit etwa hundert Radlern, die eine andere Route gewählt hatten, fuhr kürzere Tagesetappen und startete zwei Tage früher. Wer das so angeht, denkt man, muss sportlich und jung sein, vielleicht auch ein besonders pfiffig ausgestattetes Tourenrad haben. Ottfried Gabriel ist 74, sein Rad ein Oldtimer, den er 1969 gebraucht übernahm, Alter unbekannt, viele Teile schon ausgewechselt, „ein Damenrad Marke Diamant, made in DDR“. Vor drei Jahren hat er dem Gefährt eine gebrauchte 3er-Schaltung angebaut. Immerhin.  

 

Nicht zum ersten Mal fuhr der Mann mit dem Engelsnamen aus Nord-Berlin per Rad zu einem Kirchentag. Nach Hannover saß er auf dem Sattel, nach Köln, nach Bremen. Aber die jetzt anstehenden etwa 900 Kilometer waren natürlich eine besondere Herausforderung.

 

Stulle für unterwegs

 

Er wollte auch nicht mit dem Pilgerprojekt in Massenquartieren übernachten. Er besann sich eines alten christlichen Brauches. Gehörte er nicht als Diakon zur Gemeinschaft der Schwestern- und Brüderschaft des Johannesstiftes in Berlin? Da hat man doch selbstverständlich das Adressenverzeichnis und findet die Geschwister am Wegesrand. So war es denn. Aber irgendwo in Thüringen war mit diesen Verbindungen Schluss. Nun ja, dort „unten“, weiter nach Süden, mussten dann die Adressen einer anderen diakonischen Gemeinschaft greifen. So rief er bei den Rummelsburger Diakonen an. Als eine wunderbare Erfahrung empfand er, dass man ihn überall freundlich aufnahm, ein Bett und je nach Situation auch ein warmes Bad bereitstellte. Und morgens gab es nicht nur Frühstück, sondern auch die reichliche „Stulle für unterwegs“. Die Fahrpausen galten dann nicht Gasthäusern, sondern eher Denkmälern und anderen Sehenswürdigkeiten. Die Wasserflasche füllten schon mal Fremde über den Zaun. So ging es hurtig südwärts, „manchmal habe ich gesungen“. 

 

Ab Dessau war es dann nicht immer so lustig: Zuerst eine Panne, ein spitzes Metallstück durchbohrte den Vorderreifen. Aber auch, so erinnert sich der Kirchentagsradler: „Ab Dessau hat es nur noch geregnet“. Die große Schirmmütze hielt ihm die Brille trocken. Der Sonntag wurde durch eine kürzere Strecke von etwa 50 Kilometern geheiligt. Die „machte“ er am Nachmittag und konnte so mit den Quartiergebern vorher zum Gottesdienst gehen.

 

Die Tuba im Bus

 

Er wollte nicht nur am Kirchentag teilnehmen, sondern dort, wie oft, seinen Dienst verrichten. Ottfried Gabriel ist Bläser. Seine Tuba brachte Frau Elisabeth mit den anderen Bläsern im Bus des Posaunenchors. Wenn er gewollt hätte, wäre natürlich auch für ihn ein Platz im Bus gewesen. Sein Motiv für die Radtour ist „die Begegnung mit den Menschen unterwegs“. Sein Herkunftsort war deutlich zu erkennen: Das Fahrrad trug vorn und hinten kurz gesägte Autoschilder mit einem „B“. „Damit die Leute sehen, woher ich komme“. Dennoch kam schon mal die skeptische Frage „Kommse wirklich aus Berlin?“ Meist nahm er die Bundesstraße, fuhr manchmal aber auch „schräg durch“.

 

Acht Tage war er unterwegs. Linthe, Dessau, Naumburg, hießen die Stationen, Remptendorf, Hof, Bayreuth, Neumarkt. Sein letztes Quartier in Pfaffenhofen sagt er ab, weil er den großen Pilger-Tross von „Ökumene unterwegs“ noch einholen will. Wäre doch schön, gemeinsam in München einzufahren. Also ist eine Doppeltour von 160 Kilometern fällig. In Ismanning erreicht er die radelnde Großgruppe und geht mit ihr ins Massenquartier, zunächst als Fremder beäugt. Er muss erzählen, wie er so unangemeldet dazustoßen und sich verbunden fühlen kann, was schließlich gern genehmigt wird.

 

Und 2011?

 

Den Kirchentag erlebt er wie es viele Mitarbeiter kennen: Man macht seinen Dienst an seinem Ort und merkt von vielen anderen Ereignissen wenig. Immerhin hörte er Bibelarbeiten, weil er dort seinen Bläsereinsatz hatte. Und für einen Gang über den „Markt“ hat es auch noch gereicht. Die Rückreise führte ihn in einem weiten Bogen durch Westdeutschland – um noch mehr Christenmenschen zu besuchen. 

 

Wie wird es 2011 mit Dresden sein? Das weiß er jetzt schon: „Da fahr ich auch wieder hin“. Mit seinem „Diamant“ natürlich.

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"Ihr könnt auch hinreiten"

(Ökumenischer Kirchentag München 2010)

 

Manche steigen in unserer Region (genauer: in Berlin) nur um. So jene fünf Teilnehmerinnen aus dem Pfarrsprengel Zerrenthin (Pommersche Kirche). Sie ließen sich mit dem Auto nach Berlin kutschieren, um hier den Sonderzug nach München  zu erreichen. Plötzlich, so berichten sie, trabte auf der Autobahn ein Pferd neben dem Auto, so dass der Fahrer vorschlug: „Ihr könnt auch hinreiten“. Den Sonderzug fanden sie dann „historisch“, weil er aussah, „als würde er aus dem Museum kommen“. In München erkannten sie viele Kirchentagsbesucher „an ihren Schlüsselbändern, Schals oder an ihrer Orientierungslosigkeit“. Aber, so das Fazit: „Zurück bleibt ein tolles Gemeinschaftsgefühl und Erlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben“. 

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"Patchwork" als Highlight aus Brandenburg

(Ökumenischer Kirchentag München 2010)

 

Die Musikgruppe „Patchwork“, Stadt Brandenburg, gehörte mit einer „ökumenischen“ Besetzung zu den künstlerischen Highlights beim 2. Ökumenischen Kirchentag in München. Konzerte auf den Open-Air-Bühnen in der Stadt und als Höhepunkt die musikalische Gestaltung eines Kinder- und Familiengottesdienstes im vollbesetzten Zelt des Zirkus Krone waren Spitze. „Mit den Kindern dieser Welt - unter Gottes Himmelszelt“ hieß die „Zirkus“-Veranstaltung mit über 3000 Zuschauern. Unter den Besuchern waren auch viele prominente Gäste aus der Weltkirche.

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